In unserer neuen Rubrik „Wer weiß denn so etwas?“ stellen Mitglieder unseres Peña kleine, spannende oder überraschende Geschichten rund um Atlético Madrid vor – Fakten, Entdeckungen oder Anekdoten, die selbst viele Atleti-Fans noch nicht kennen.
Dieser Beitrag strammt von unserem Mitglied Piotr Woloszyn.
Eine rot-weiße Fiesta an der Fuente de Cibeles? Heute kaum vorstellbar. Und doch ist selbst der stolze Neptun – gemessen an der rund 125-jährigen Geschichte von Atlético Madrid – ein vergleichsweise „junger“ Ort der Feierlichkeiten der Colchoneros. Erst seit gut 35 Jahren pilgern die Fans nach Titelgewinnen dorthin. Doch der Reihe nach…
1953 feierte Atlético Madrid sein 50-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses goldenen Jubiläums wurde eine besondere Trophäe entworfen: Sie zeigte die Statue der Göttin Cibeles. Das Kunstwerk stellte vier junge Menschen dar, die ein Tablett mit dem rot-weißen Wappen emporheben, in dessen Zentrum die Göttin als Symbol für Größe und Erhabenheit thront. Damit entstand die erste nachweisbare Verbindung zwischen den Rojiblancos und der Fuente de Cibeles.
Am 5. September 1962 gewann Atlético Madrid mit einem 3:0 gegen die Fiorentina den Europapokal der Pokalsieger – den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte. Noch am selben Abend versammelten sich zahlreiche Anhänger spontan am Cibeles-Brunnen, um den Triumph zu feiern. Die Wahl des Ortes war dabei alles andere als zufällig: Der damalige Vereinssitz in der Calle Barquillo lag nur wenige Schritte entfernt. Aus dieser spontanen Zusammenkunft entwickelte sich eine Tradition.
In den folgenden Jahrzehnten entdeckte auch Real Madrid die Fuente de Cibeles für sich. Der zentral gelegene und symbolträchtige Platz war vom Estadio Santiago Bernabéu schnell zu erreichen. Spätestens in den späten 1980er-Jahren, als die Königlichen fünf Meisterschaften in Serie gewannen, wurde Cibeles zunehmend zum festen Feierort der „Blancos“ – und damit faktisch von ihnen beansprucht.
Als Atlético Madrid im Frühjahr 1991 die Copa del Rey gegen Mallorca gewann – ausgerechnet im Bernabéu –, kam es zur Wende. Die Atleti-Fans mieden den Cibeles-Brunnen bewusst und zogen stattdessen rund 500 Meter weiter zur Fuente de Neptuno. Aus der Not wurde Identität: Der Neptun-Brunnen wurde zur neuen Heimat der rot-weißen Feierlichkeiten.
Spätestens 1996, als die Meisterfeier live im Fernsehen übertragen wurde, verankerte sich die Fuente de Neptuno endgültig im kollektiven Gedächtnis der Rojiblancos. Bis heute gehört auch ein besonderes Ritual dazu: Am Höhepunkt der Feierlichkeiten befestigt der Mannschaftskapitän die Atleti-Fahne am Dreizack des römischen Meeresgottes.