Leidenschaft lebt vom Austausch – und genau dafür schaffen wir Raum. In unserer neuen Rubrik „Meinungsstücke“ kommen Mitglieder der Peña Atlética Centuria Germana zu Wort: klar, kritisch, emotional und immer mit dem rot-weißen Herzen am rechten Fleck.

Den Auftakt macht unser Vorstandsmitglied Fabian Hoch mit einem pointierten Blick auf die sportliche Lage von Atlético Madrid – zwischen ordentlicher Bilanz auf dem Papier und offenen Fragen, die viele von uns seit Monaten umtreiben.

Platz 4 mit Aussicht auf den gewohnten dritten Rang, das Endspiel in der Copa del Rey vor Augen und in der Champions League nach einem erfolgreichen Duell gegen Club Brügge im Achtelfinale. Auf den ersten Blick, rein nach der sportlichen Bilanz, sicherlich ein Zwischenergebnis, mit dem sich die Anhänger der Rojiblancos anfreunden dürften.

Doch richten die Fans der Rot-Weißen den Blick einmal genauer auf das aktuelle beziehungsweise unmittelbare Geschehen der letzten Monate, kommen vermehrt Zweifel auf, die in unterschiedliche Richtungen ausstrahlen. Keinesfalls sind dies Punkte, die erst in dieser Zeit unter der Anhängerschaft diskutiert werden. Nicht ohne Grund sah sich Klubchef Miguel Ángel Gil Marín dazu veranlasst, die Mannschaft am Freitag in die Pflicht zu nehmen.

Wie angedeutet sind es etliche Themen, die derzeit mit Negativität behaftet sind und sich über viele Wochen fortsetzen, auch wenn der Status quo auf dem Papier recht passend aussieht. Insbesondere die Konstanz in Verbindung mit dem eigenen Leistungsniveau ist seit Jahren ein wunder Punkt rund um den Manzanares. In diesen Tagen tritt dies so deutlich wie selten zutage. Lediglich auf das Jahr 2026 beschränkt folgen starken Leistungen im Pokal bei Betis Sevilla und zuhause gegen den FC Barcelona blutleere und schwache Darbietungen in der Liga. Selbst das Aufeinandertreffen gegen den Meister aus Belgien verschleiert den Gesamtblick auf das 7:4 etwas, da der Kontrahent über drei der vier Halbzeiten mehr als ebenbürtig daherkam. Betrachtet man das Gesamtbild, lässt sich diese Beobachtung über die gesamte Spielzeit hinweg erkennen.

Durchaus souveränen und ansprechenden Heimauftritten folgen in der Liga in der Regel nahezu teilnahmslose Darbietungen in fremden Stadien. Obwohl dort bis Mitte Dezember regelmäßig das erste Tor gelang, konnten von sieben Partien lediglich zwei siegreich gestaltet werden. Der Hang zur Passivität bei eigener Führung, vor allem gegen nominell schwächere Gegner, lässt den Schluss zu, dass sich diese Mannschaft zu sehr auf ihre individuelle Klasse beruft und eine gewisse Sorglosigkeit zur Regel geworden ist. Diese Klasse besitzt das Team unbestritten. Dennoch dürfte bekannt sein, dass ein geschlossen auftretendes Kollektiv erfolgversprechender ist als herausragende Einzeldarbietungen.

Da zuletzt auch die Festung Metropolitano gegen den unmittelbaren Konkurrenten Betis Sevilla eingenommen wurde, entwickelt sich ein unerwartet enger Kampf um Rang 4. Die Schwäche in fremden Stadien lässt sich nur so lange kaschieren, wie die Verfolger dies zulassen. Die Andalusier befinden sich klar im Aufwind und dürften gemeinsam mit dem FC Villarreal bis zum Saisonende nicht nachlassen.

Fernab jeglicher Tabellenkonstellationen ist neben der mangelnden Konstanz und dem Vorwurf, Ligapartien zugunsten der Pokalwettbewerbe mit schwächeren Aufstellungen zu opfern, ein weiterer Diskussionspunkt unter den Fans präsent. In den Jahren der großen Erfolge stand Atlético stets für eine klar erkennbare Spielweise. Mittlerweile stellt sich berechtigterweise die Frage, für welche Art von Fußball diese Mannschaft stehen möchte. Während Heimspiele meist mit einer forscheren Gangart angegangen werden und auswärts traditionell konservativer agiert wurde, ist seit Monaten kaum noch klar erkennbar, welchem Plan die Spieler auf dem Rasen folgen. Die Passivität in fremden Stadien steht dabei in deutlichem Kontrast zu den engagierten Heimauftritten.

Einen großen Anteil daran hat die Personalpolitik. Der Blick auf das letzte Transferfenster lässt nur schwer erkennen, in welche Richtung die Entwicklung gehen soll. Fairerweise gilt es zu berücksichtigen, dass mit Mateu Alemany ein neuer Verantwortlicher die Kaderplanung übernommen hat. Dennoch stehen Conor Gallagher und Giacomo Raspadori exemplarisch für den fehlenden roten Faden. Beide wurden abgegeben, sicherlich auch auf eigenen Wunsch, jedoch vor dem Hintergrund einer unklaren Rolle innerhalb eines ohnehin schmalen Kaders. Der Brite durfte nahezu nie auf seiner angestammten zentralen Position spielen, die ihn beim FC Chelsea zum Kapitän machte. Der Italiener brachte regelmäßig frischen Wind, seine Einsatzzeiten sanken dennoch – letztlich auch dem engen Budget geschuldet. Mit Ademola Lookman, Rodrigo Mendonça und Obed Vargas wurde im Januar nachgelegt. Viel Aktivität, aber nur bedingt unmittelbare Verstärkung.

Während Lookman andeutet, eine direkte Hilfe zu sein, werden die beiden anderen Neuzugänge perspektivisch eingeplant werden müssen. Der Kader hat für die laufende Saison bis Mai keine signifikante qualitative Aufwertung erfahren. Umso spannender dürfte der kommende Sommer werden, wenn Alemany mehr Gestaltungsspielraum erhält.

Nach mehr als der Hälfte der Saison wirft der Kader mehr Fragen als Antworten auf. Mehrere Spieler wirken angesichts der Belastung in vier Wettbewerben mental ermüdet. Die Konstanz leidet sichtbar. Aufgrund des kleineren Kaders und Simeones Zurückhaltung gegenüber jungen Spielern dürfte sich dieser Zustand nur begrenzt verbessern. Die Muskelverletzung von Pablo Barrios unterstreicht die Problematik. Mit ihm fehlt die zentrale Triebfeder des Spiels, bislang wohl der konstanteste Akteur der Saison.

Positiv hervorzuheben sind Marc Pubill und David Hancko, die sich zu einem verlässlichen Innenverteidiger-Duo entwickelt haben. Pubill, zunächst aus der Not heraus Stammspieler geworden, überzeugt mit Dynamik und Selbstbewusstsein und tritt zunehmend als emotionaler Leader auf.

Marcos Llorente liefert eine stabile Saison, leidet jedoch unter seinen ständigen Positionswechseln. Antoine Griezmann erlebt einmal mehr einen Frühling seiner Karriere. Ohne seine Klasse sähe das Gesamtbild deutlich düsterer aus. Auch Koke erhält mehr Spielzeit als ursprünglich geplant.

Trotz der ordentlichen Statistik agieren einige Akteure klar unter ihrem Leistungsniveau. Giuliano Simeone und Alexander Sörloth setzen punktuell Akzente, während andere weit hinter ihren Möglichkeiten bleiben. Julián Álvarez wirkt durch das fehlende spielerische Element, insbesondere auswärts, isoliert und sucht vermehrt durch tiefe Laufwege nach Anbindung – kein Idealzustand für einen Offensivschlüsselspieler.

Alex Baena sollte zusätzliche Kreativität bringen, sucht jedoch nach Verletzungsproblemen weiterhin seinen Platz. Robin Le Normand, Nahuel Molina, Nico González und Johnny Cardoso stehen ebenfalls sinnbildlich für die derzeitige Inkonsistenz.

Auch Diego Simeone steht erneut im Fokus. Die Erwartungshaltung ist durch seine Erfolge gestiegen. Mit den eingeforderten Transfers wächst jedoch auch der Anspruch, den Spielstil weiterzuentwickeln. Aktuell fehlt eine klar erkennbare Spielidee, die über reinen Umschaltfußball hinausgeht. Dieser Kader besitzt genügend spielerische Qualität, um mehr einzufordern.

Der Text zeichnet bewusst ein kritisches Bild, orientiert sich jedoch am eigenen Anspruch, in allen Wettbewerben ganz vorne mitzuspielen. Dafür braucht es strukturelle Klarheit, mehr Konstanz und weniger Nachlässigkeit – insbesondere auswärts. Die jüngsten Heimauftritte geben Anlass zur Hoffnung. Dennoch würden Punktverluste in Oviedo am kommenden Samstag kaum überraschen.

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