Es läuft die 7. Minute der Verlängerung. Ecke Koke, der abgewehrte Ball landet wieder bei der Nummer 6 der Rojiblancos, einer erneuten Flanke folgt eine vorbildliche Flugeinlage von João Miranda, Kopfball und das runde Leder fliegt am Diego López, dem Torhüter der Merengues, vorbei ins Tor!!! Der brasilianische Abwehrhüne versinkt in einer rot-weißen Jubeltraube und die Freude der Colchoneros sowohl im Stadion als auch in Kneipen oder vor Fernsehern kennt keine Grenzen. Noch eine Monsterparade von Thibaut Courtois gegen Mesut Özil (ja, genau, dieser Courtois, einer der rot-weißen Helden am damaligen Abend) und die Riesen-Party konnte starten! Wer denkt nicht gerne an diese magische Nacht vom 17. Mai 2013 zurück? Die erste Copa del Rey seit 1996, ein Final-Sieg gegen Real Madrid und dazu gleich noch im Estadio Santiago Bernabeu. Der pure Wahnsinn!
Umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass die Colchoneros, die sich in den Folgejahren unter Diego Pablo Simeone zur unumstrittenen dritten Kraft im spanischen Fußball etablierten, seit 2013 kein weiteres Mal das Finale der Copa del Rey erreichten, geschweige denn die Copa zu gewinnen. Und es waren nicht immer Real Madrid oder Barcelona, die sich in einem epischen Halbfinale knapp gegen die Rojiblancos durchsetzten, sondern bisweilen unterklassige Gegner wie Cultural Leonesa oder UE Cornella, die Atlético Madrid „episch“ blamierten. Das Warten hat dennoch endlich sein Ende und in wenigen Stunden steigt das ersehnte Finale de Copa del Rey!
Der Weg dorthin begann Mitte Dezember auf Mallorca, wo der dortige Viertligist – nomen est omen – Atlético Baleares die Rojiblancos vor einige Probleme stellte. Der haushohe Favorit aus der Hauptstadt setzte ich zwar mit 3:2 durch, ohne mehrere tolle Paraden (inkl. des gehaltenen Elfmeters) von Juan Musso hätte es vielleicht sogar zu einer Riesensensation kommen können. Dem Spiel auf den Balearen folgte ein souveräner Auftritt in A Coruña gegen die längst verblasste Fußball-Macht Deportivo, der durch einen herrlichen Freistoß-Schlenzer von Griezmann entschieden wurde. Was danach aber geschah, ist fast unglaublich: Zunächst fegten die Colchoneros im Estadio de la Cartuja, in dem auch das Finale de Copa del Rey am Samstag ausgetragen wird, Betis Sevilla mit 5:0 vom Platz, im Halbfinale wiederum reichte eine phänomenale erste Hälfte gegen Barcelona im heimischen Metropolitano (4:0 zur Pause), ums ins Finale zu ziehen (dank eines „nur“ 0:3 im Camp Nou).
Im diesjährigen Finale de Copa del Rey feiern die Rojiblancos ein Jubiläum, denn 2026 spielt Atlético Madrid zum 20. Mal im finalen Duell um die Copa. Die bisherige Bilanz ist aus Sicht der Colchoneros leider fast ausgeglichen. 10 Mal konnten sich die Rot-Weißen durchsetzen (darunter viermal gegen Real Madrid), 9 Mal streckten die Gegner den begehrten Pokal in den Nachthimmel. Aus historischer Sicht sind einige Finalspiele erwähnenswert:
1921: Niederlage gegen Athletic Club (1:4) – die erste Teilnahme an einem Finale überhaupt;
1960: Sieg gegen Real Madrid (3:1) – der erste Triumph, und das gleich gegen den Nachbarn aus dem Norden;
1987: Niederlage gegen Real Sociedad (2:2, 2:4 i.E.) – das einzige Duell in einem Finale gegen Real Sociedad, den diesjährigen Gegner;
1991: Sieg gegen RCD Mallorca (1:0) – der Sieg im Estadio Santiago Bernabeu, nach dem die Fans sich zum ersten Mal rund um die Fuente de Neptuno versammelten, um den Titel gemeinsam zu feiern;
1992: Sieg gegen Real Madrid (2:0) – der Triumph über Real Madrid im Estadio Santiago Bernabeu, dazu mit sehenswerten Treffern von Bernd Schuster und Paulo Futre;
1996: Sieg gegen FC Barcelona (1:0) – Teil des einzigen Doubles in der Vereinsgeschichte;
2000: Niederlage gegen RCD Espanyol (1:2) – die Niederlage in diesem Spiel rundete die wohl schlimmste Saison in der Geschichte Atléticos ab (Abstieg in die Segunda Division);
2013: Sieg gegen Real Madrid (2:1 n.V.) – der eingangs erwähnte große Triumph im Estadio Santiago Bernabeu und zugleich die letzte Teilnahme an einem Finale de Copa del Rey bis heute.
Für unseren Gegner am Samstag, Real Sociedad San Sebastian, ist das kommende Spiel die 9. Finalteilnahme in der Copa del Rey. Die Bilanz der Txuri-Urdin fällt dabei eher durchwachsen aus: Lediglich 3 Final-Begegnungen konnten die Basken für sich entscheiden (1909, 1987 gegen die Rojiblancos sowie 2020 im baskischen Derby gegen Athletic Club, das wegen Corona erst im Frühjahr 2021 ohne Publikum nachgespielt wurde). In 4 der 5 verlorenen Finalspielen hieß der Sieger FC Barcelona, zuletzt 2021 (zugleich die letzte Finalteilnahme des Vereins aus dem Norden).
Die Bilanz der direkten Duelle zwischen Atlético Madrid und Real Sociedad ist für die Rojiblancos grundsätzlich positiv. Lt. der Statistik vom Kicker gewannen die Colchoneros insgesamt 76 Duelle, es gab 32 Unentschieden und die Txuri-Urdin verließen 43 Mal den Platz als Sieger (Tordifferenz 266 : 182 zugunsten der Rojiblancos). Eine gesonderte Statistik zu direkten Duellen zwischen den beiden Teams nur in der Copa del Rey wäre wohl interessant, diese ist dennoch kaum zu erstellen, denn insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es häufige Formatänderungen wie bspw. Einzelspiele, Wiederholungsspiele, Hin-/Rückspiele, unterschiedliche Zählweisen. Interessanterweise duellierten sich Atlético Madrid und Real Sociedad seit dem Pokalfinale 1987 nur ein einziges Mal in der Copa del Rey: Am 19. Januar 2022 besiegten die Basken den amtierenden Meister mit 2:0 im Estadio Aneota und zogen dadurch ins Viertelfinale ein.
Sobald der Anpfiff ertönt, spielen die Statistiken dennoch keine Rolle mehr. Dann zählen nur drei folgende Tugenden: Intensidad, Compromismo und Trabajo! Dass die Spieler der Rojiblancos diese Tugenden verinnerlichen, haben sie in den letzten Wochen mehrmals bewiesen. Auf den Sieg und hoffentlich wiederholt sich die magische Nacht vom Mai 2013. Diesmal allerdings im April und in Sevilla.
Vamos Atleti Vamos!!!