Ein Reisebericht von Carmen García und Henrik Verspohl

Nein, es waren nicht (nur) die Pasta, der Wein oder die Sonne, die uns dieses Mal dazu bewegte nach Italien zu fliegen. Atlético hatte ein Rückspiel gegen die alte Dame des italienischen Fußballs zu bestreiten und das Ergebnis des Hinspiel (2:0) ließ hoffen.

Von Köln nach Bergamo flogen sechs Teilnehmer der PACG, die restliche sechs, die auch dabei sein sollten sowie unsere spanischen Freunde trafen wir in Turin.

Gegen 14:00 Uhr kamen wir in dieser wunderschönen Stadt an. Die Fanzone war direkt am Po gelegen und nach unserem Check-In im Hotel gingen wir dort hin. In einem sehr schönen Park hielten sich schon einige Colchoneros auf; die Stimmung war noch sehr ruhig und gelassen. Doch langsam füllte sich der Park und unsere Gesänge waren zu hören, diesmal sogar von einem Dudelsack begleitet.

Die Stadt stellte Busse zu Verfügung, die uns zum weit entfernten Stadion brachten. Begleitet von der Polizei und unter dem Applaus der Fußgänger machten wir uns auf dem Weg, laut singend und voller Zuversicht. Unsere Flaggen und Schals hingen aus den Fenstern des Busses, wie er so gen Stadion hüpfte; die ganze Stadt sollte hören, dass Atlético Fans alles geben!

Die Sicherheitskontrollen am Stadion waren übertrieben penibel, sogar die Schuhe mussten ausgezogen werden! Die mitgereisten Sicherheitsmitarbeiter von Atlético waren leider keine große Hilfe; sie verhielten sich bei dem Chaos ziemlich zurückhaltend.

Dazu kam, dass drei PACG Mitglieder noch nicht aufgetaucht waren und ich noch ihre Karten hatte, was mich sehr nervös machte. Ich wollte die Karten an der Kasse hinterlegen, doch Blacky und Henrik boten sich an, zu warten bis sie einträfen. Letztendlich war es Blacky, der am Eingang blieb und das war nicht so gut, denn als er hereingehen wollte stellte er fest, dass er keinen Perso dabei hatte und so für ihn der Eintritt unmöglich war. Das Sicherheitspersonal war gnadenlos: er musste zum Hotel zurück und seinen Ausweis holen. Wäre er mit uns hineingegangen, hätte er trotz der Panne nicht die 1. Halbzeit verpasst. Bitter.

Über das Spiel brauche ich kein Wort zu verlieren. Die Enttäuschung saß tief und wir wollten eigentlich nur noch raus, doch auch das gestaltete sich nervig. Erst über eine Stunde nach Abpfiff durften wir das Stadion verlassen und wurden wieder in die Busse geschleust, die uns (fast an unserem Hotel vorbei) in die etwas abseits gelegene Fanzone zurückbrachten. Eine fragwürdige Planung, denn dort war keine Polizei mehr präsent. Außerdem mussten die Meisten nun zusehen, wie sie wieder ins Zentrum gelängen. Ein Taxi zu ergattern war aussichtslos und so liefen wir notgedrungen quer durch diese feiernde Stadt. Wobei einige Tiffosi meinten uns lautstark daran erinnern zu müssen, dass sie das Spiel gewonnen hatten. Manche Fans haben nicht nur Schwierigkeiten mit einer Niederlage, sondern auch mit einem Sieg. Als ob wir in dieser Nacht an etwas anderes denken könnten als an dieses Spiel! Zum Glück ist aber nichts weiter passiert und nach einer guten halben Stunde Fußmarsch erreichten wir schließlich müde und etwas niedergeschlagen unser Hotel.

Mein erster Gedanke beim Aufwachen am morgen war “Oh mein Gott, es war kein Alptraum!” Nein, das war es wirklich nicht; es war bittere Realität. Wir sind aus der CL ausgeschieden, aus dem heimischen Finale wird nichts. Mist. Kein Pokal. Kein Wiedersehen mit den anderen Colchoneros. Keine Reise mehr. Kein Bangen und Hoffen.

Diese Saison ist international zu Ende und doch spazieren wir durch Turin und zeigen trotzt der bitteren Niederlage voller Stolz und mit erhobenem Haupt unsere rot-weißen Farben und grüßten alle mit einem “Aúpa Atleti!” – dieses Mal gefolgt von einem “nächstes Jahr…”