Trikot 2012-2013Um den Schuldenberg von Atlético Madrid ranken sich mehrere Mythen. 200, 300 oder sogar über 500 Mio. € – solche Zahlen tauchten ein ums andere Mal auf den Internetportalen, die sich mit dem runden Leder beschäftigen, auf. Ist es um die Rojiblancos wirklich so schlecht bestellt? Schweben die Pleitegeier bereits über dem Estadio Vicente Calderón?

Ein Analyseversuch der Finanzsituation eines Fußballvereins, ohne ein Wirtschaftswissenschaftler zu sein und ohne den Einblick in die Klub-Buchhaltung zu haben, kann womöglich dem Lesen im Kaffeesatz ähneln. Die im Netz vorhandenen Zahlen sowie Äußerungen der wichtigsten Entscheidungsträger am Manzanares lassen zwar keine wissenschaftliche Studie zu, eine kleine Betrachtung der allgemeinen finanziellen Lage der Rojiblancos scheint mit dem online verfügbaren Material durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen.

Relevant bei jeder Analyse einer wenig rosigen finanziellen Situation ist die Frage nach deren Ursprung. Die Schuldenberge – ähnlich den echten Bergen – wachsen nicht aus dem Erdboden in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, deren Entstehung bildet einen langwierigen Prozess. Im Falle von Atlético Madrid tauchten erste Gerüchte über die schwierige finanzielle Situation in der ersten Hälfte der 90-er Jahre auf, der Meistertitel 1996, die darauf folgende Champions-League-Teilnahme sowie teure Transfers (Juninho, Christian Vieri) ließen allerdings jegliche Kritiken verstummen. Erst im Nachhinein – als der Prozess gegen Jesus Gil, den berüchtigten Klubpräsidenten und ehemaligen Bürgermeister von der Stadt Marbella, begann – stellte sich heraus, dass viele noble Verpflichtungen nur deshalb zustande gekommen waren, weil Jesus Gil die öffentlichen Gelder der Stadt im Rahmen eines Sponsoring-Vertrages (berühmte Trikotwerbung Marbella) jahrelang in die Vereinskassen spülte. Außerdem war es beim Atlético unter Jesus Gil die Regel, dass die Großverdiener im Verein offiziell nur niedrige Verträge besaßen, der Großteil der Spielereinkommen war „unter dem Tisch“ ausgezahlt, um auf diese Art und Weise die Steuerbehörden zu umgehen. Das erste öffentliche Schuld(en)bekenntnis erfolgte 2004, als Miguel Angel Gil Marin (Vorstandsvorsitzender) eingestand, der Verein habe nach dem Abstieg 2000 keine Steuern mehr bezahlt, um das Geld für den Wiederaufstieg zu haben. Da es mit der Rückkehr in die Primera Division erst 2002 klappte, beliefen sich die Schulden nur gegenüber dem spanischen Finanzamt schon damals auf ca. 100 Mio. € (ohne Strafzinsen).

Der bittere Abstieg vor 13 Jahren trug sicherlich zur wesentlichen Verschlechterung der finanziellen Situation des Vereins bei. Die obige Steuerhinterziehung, der erhebliche Mangel an ordentlichen TV-Geldern in der zweiten Liga (und das in der Zeit, als die Privatsender damit anfingen, die Scheine für die TV-Rechte großzügig aus dem Fenster zu schleudern), der Wunsch nach der schnellen Rückkehr in die Primera Division und das damit zusammenhängende Bedürfnis nach einem starkem Kader, der die finanzielle Möglichkeiten des Vereins jedoch sprengte – alle diese Faktoren vergrößerten die Schuldenspirale von Atlético Madrid, da konnte selbst der Aufstieg 2002 keine gewünschte sofortige Heilwirkung bringen.

Und nach dem Aufstieg sind leider auch viele Fehler begangen worden. Man wollte unbedingt schnell in die Champions League, ohne ein vernünftiges Konzept der Rückkehr in den internationalen Wettbewerb ausgearbeitet zu haben. Es wurden Spieler mit großen Namen, die woanders gescheitert waren, mit der Hoffnung geholt, dass sie am Manzanares standesgemäß einschlagen. Viele von denen verließen die Colchoneros nach einem, zwei Jahren, ohne in sie gesteckte Hoffnungen erfüllt zu haben. In einigen Fällen gelang es dem Verein sogar nicht, das zuvor investierte Geld zurückzubekommen (Verkauf unter Wert oder die Vertragsauflösung). Insgesamt fiel die (finanzielle) Transferbilanz von Atlético Madrid nach der Rückkehr in die Primera Division fast immer negativ aus, bisweilen erreichte das Minus ein besorgniserregendes Ausmaß (49 Mio. € 2006, 32 Mio. € 2007, 23 Mio. € 2008). Erst in den letzten beiden Jahren – dank den hochkarätigen Abgängen wie Aguero oder De Gea – ist es gelungen, eine positive Transferbilanz zu erwirtschaften.

In die oben dargestellte Misswirtschaft bei den Spielerverpflichtungen reihte sich häufig unangemessene Belohnung der unter Vertrag genommenen Fußballer ein. Die Gehälter bei Atlético Madrid waren mehrere Jahre hindurch auf dem Niveau des internationalen Geschäfts, dieses Niveau konnten die Rojiblancos auf dem Spielfeld dennoch nicht immer erreichen. Für die Löhne gab der Verein z.B. 2011 ca. 64 Mio. € aus, obwohl am Ende der Saison 2010/11 mit Ach und Krach der 7. Platz heraus sprang und die Colchoneros erneut den eigenen Erwartungen hinterherhinkten. Zuletzt kam der Spieleretat leicht unter 60 Mio. €, nach dem Verkauf von Falcao sollte er noch verringert werden (für den Nachfolger des kolumbianischen Stürmerstars sind max. 2,5 Mio. € Grundgehalt vorgesehen, also ca. die Hälfte der Entlohnung des Kolumbianers). In der Bundesliga können sich einen solchen Spieleretat nur diese Mannschaften leisten, die entweder regelmäßig in der Königsklasse auftreten (Bayern, S04, BVB) oder das nötige Kleingeld von den Konzernen saugen (Leverkusen, Wolfsburg).

Die schwarzen Wolken zogen über dem Estadio Vicente Calderón 2009 auf, als die spanische Presse von immensen Schulden des Vereins berichtete. Der Auslöser der damaligen Untergangstimmung um Atlético Madrid waren die Interviews der führenden Spieler, die unverblümt beklagten, seit Monaten keine Gehälter mehr auf dem Konto gesehen zu haben. Die Spekulationen um die kritische Lage im Madrider Traditionsverein heizte auch der Vereinspräsident Enrique Cerezo an, indem er in einem Interview den Geldmangel für die Neuverpflichtungen offen zugab. Zu Wort meldeten sich zugleich die Gegner der Klubbesitzer und berechneten die Schulden von den Rojiblancos auf 700 Mio. €. Um den wilden Spekulationen um die bevorstehende Pleite des Vereins den Nährboden zu entziehen, luden im Dezember 2009 Gil Marin und Enrique Cerezo die Journalisten ein, um im Rahmen einer Pressekonferenz über die finanzielle Lage des Klubs zu berichten.

Laut den Enthüllungen der Atleti-Macher betrug die gesamte Schuldenlast des Vereins 200 Mio. €. Und Atlético hatte dem gegenüber vier Säulen aufzuwarten, so dass der Verein gesichert und in einem gesunden Plan eingebettet worden sein sollte. So standen die Vermögenswerte des Stadions, taxiert mit 276 Millionen Euro, des Trainingsgeländes, taxiert mit 126 Millionen Euro, den Spielern der ersten Mannschaft sowie den Jugendteams und zu guter Letzt die Rechte der an der Marke Club Atlético de Madrid S.A.D. entgegen. Zu diesen Rechten gehörten unter anderem die Rechte an Werbung, TV- und Radioverträgen, so wie weiteren sozialen Projekten. Gil Marin und Cerezo betonten unterdessen, der Verein habe seinen Schuldenberg ohnehin bereits verringert und arbeite am weiteren Abbau

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der Schuldenlast. Nicht alle schenkten allerdings den Enthüllungen seitens des Vereins den Glauben (z.B. die Fanorganisation Señales de Humo), die runde Höhe des Schuldenberges schien für sie verdächtigt zu sein. Ansonsten wurden viele Verbindlichkeiten (z.B. gegenüber den Kreditinstituten sowie dem Finanzamt) mit Strafzinsen belegt, von daher waren die wirklichen roten Zahlen des Vereins auf jeden Fall röter als offiziell dargelegt.

Weitere Bewegung in die Sache „Schulden“ kam 2011. Da der spanische Fiskus, der jahrelang auf die Steuerschulden im spanischen Fußball ein Auge zugedrückt hatte, in Zeiten der Finanzkrise zum Umdenken kam, sind alle verschuldeten Vereine verpflichtet worden, ihre Schulden nach und nach abzubauen. Für die Sünder wurde ein drakonischer Strafkatalog ausgearbeitet, des Ausschlusses aus dem Wettbewerb und sogar der Auflösung des Vereins inklusive. Atlético Madrid entwarf zusammen mit dem Finanzamt die für die Rojiblancos realistische Marschroute des Schuldenabbaus gegenüber den Finanzbehörden, bis 2017 sollte dieser Teil der Schulden (mit Strafzinsen ca. 210 Mio. €) völlig verschwinden. Wie der Verein vor Kurzem stolz verkündete, wird in diesem Sommer – nach über zwei Jahren seit der Einigung mit dem Staat – ungefähr die Hälfte der Steuerschulden zurückgezahlt. Es bleiben noch die Verbindlichkeiten gegenüber den Banken, deren Höhe gilt allerdings als Geschäftsgeheimnis. Dem Vernehmen nach liegen jene Verbindlichkeiten deutlich unter dem neunstelligen Bereich und dank den guten Kontakten zwischen dem Klub und den Geldinstituten darf sich Atlético mit der Zurückzahlung Zeit lassen.

Zusammenfassung und Ausblick

Den finanziellen Tiefpunkt erreichte Atlético Madrid in den Jahren 2009-2011, nach dem Verkauf für gutes Geld einiger Leistungsträger (inkl. deren Verschwinden von der Gehaltsliste) und der Einigung mit der Finanzbehörde scheint der Verein aus dem Gröbsten heraus zu sein. Der weitere Schuldenabbau erfordert natürlich nicht immer angenehme Sparmaßnahmen, damit aber müssen die Fans der Rojiblancos leben. In den kommenden Jahren werden die teuren Stars am Manzanares wohl nicht vorgestellt, es sei denn, Atlético kommt sehr weit in der Champions League oder es wird ein Spieler mithilfe einer Investorengruppe (wie Falcao 2011) geholt. Eine solche Transaktion bringt dennoch gewisse Einschränkungen für den Verein mit sich: im Falle des Weiterverkaufs erhält der Klub nicht die volle Ablösesumme, die Investorengruppe beeinflusst zudem das „Verhalten ihres Mandanten auf dem Transfermarkt“. Der rigide Sparkurs, den Atlético fahren muss, ist an den Transferaktivitäten in diesem Sommer durchaus gut sichtbar. Dem Trainer stehen ca. 30 Mio. € zur Verfügung (ca. 75 % des vom Verein erhaltenen Transfererlöses nach dem Verkauf von Falcao) und diese Grenze darf nur dann überschritten werden, wenn andere Spieler verkauft werden. Diese Tatsache lässt beispielsweise die zähen Verhandlungen mit dem FC Sevilla über die Personalie Alvaro Negredo, für den die Andalusier gerne 25 Mio. € kassieren würden, erklären. Die Colchoneros sind darauf bedacht, die Ablösesumme für den spanischen Stürmer maximal zu drücken, um das nötige Kleingeld für andere Spieler zu haben.

Die Analyse der gegenwärtigen finanziellen Lage des Vereins lässt zwei grundsätzliche Rückschlüsse zu:

  • die regelmäßige Teilnahme an der Champions League und der damit verbundene warme Geldregen würde dem eingeschlagenen Konsolidationskurs sicherlich gut tun, Atlético könnte nicht nur die Schulden schneller abbauen, sondern sich mit kluger Transferpolitik als dritte Kraft im spanischen Fußball für Jahre etablieren.
  • nach dem Prinzip „Not macht erfinderisch“ ist der Verein auf die Förderung der jungen Talente angewiesen, die bereits jetzt relevanten Bestandteil der Mannschaft bilden (Diego Costa, Koke, Mario, kommende Saison vielleicht Oliver Torres). 20 Jahre nach der Schließung der Atleti-Fußballakademie von Jesus Gil (u.a. ging Raul Gonzalez von Atlético damals zu Real Madrid) und 10 Jahre nach den wenig durchdachten Verpflichtungen verblichener Stars von gestern, entdeckte Atlético Madrid seine Jugend wieder. Die allmähliche Heranführung der jungen Spieler an die erste Mannschaft hat noch keinem Verein geschadet, Borussia Dortmund kann hier sogar als Musterschüler erwähnt werden. Und im Falle eines Verkaufs eines Eigengewächs wird die Transferbilanz immer positiv ausfallen.