[Tourbericht] Die (erfolgreiche) Rückkehr nach Lissabon

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[Tourbericht] Die (erfolgreiche) Rückkehr nach Lissabon

Ein Reisebericht von Carmen García

Eine Reise nach Madrid ist immer willkommen, noch mehr, wenn die Mitgliederversammlung des PACG dort stattfinden soll und die Aussicht auf ein Heimspiel von Atlético lockt.

Doch was macht man, wenn die Reiseplanung steht, Atlético sich in der Euopa League für das Viertelfinale qualifiziert und dann Sporting Lissabon zugelost bekommt? Wenn es passt fährt man dahin, logisch! Dafür nimmt man auch die 676km (one way) extra in Kauf.

Am Donnerstag gegen 10:00 Uhr starteten wir also Richtung Westen bei durchwachsenem Wetter, teilweise regnete es heftig. Einige Colchoneros sahen wir unterwegs an einer Raststätte; sie machten aus ihrer guten Laune keinen Hehl.

In Lissabon kamen wir gegen 15:00 Uhr an. Inzwischen hatte sich die Sonne durchsetzen können und die Stadt hat uns damit ein wunderbares, warmes Willkommen beschert.

Wir peilten dann auch umgehend den vereinbarten Treffpunkt für die angereisten PACG-Mitglieder an. Unseren Mietwagen hatten wir in die Nähe des Stadions parken können. Eine schöne Kneipe direkt am Hafen war unser Ziel. Dort, auf der sonnigen Terrasse, wartete schon Peter (Blacky) auf uns. Am Nebentisch saßen vier Jungs aus Madrid, mit denen wir direkt ins Gespräch kamen. Der Vater von einem, so wurde uns erzählt, war ein Schulkamerad von Luis Aragonés und spielte jahrelang Fußball mit ihm. Heute führt der Sohn ein Restaurant in Madrid wo wir, so versprach er, immer herzlich willkommen sind. Wir drohten an, das Angebot bei Gelegenheit anzunehmen.

Der Anlegedrink, sprich unser erstes Bierchen, war getrunken, die Nachmittagssonne erwärmte die Stadt und unser Gemüt. Es ist doch immer wieder schön dieselben sympathischen Nasen in den diversen Winkeln Europas anzutreffen. Heiko gesellte sich noch zu uns, die Jungs vom Nachbartisch brachen auf und Peter, Henrik und ich beschlossen zur Placa de Rossio zu ziehen, wo der offizielle Treffpunkt für alle Atlético Fans war.

Dass Lissabon nicht allzu viel für spanische Fußballfans übrig hat haben wir schon auf dem Weg gemerkt. Kaum ein Atlético Fan war in der Stadt zu sehen, worüber wir uns wunderten. Doch dann hörten wir ihre Gesänge – aus der Metro Station drangen die bekannten Lieder, die Polizei ließ die dort fest gesetzten Colchoneros aus uns unbekannten Gründen nicht heraus. Man durfte weder rein noch raus. Was nun? Dort abzuwarten hielten wir für sinnlos, besonders nachdem mir ein Polizist verboten hatte, mich den Fans anzunähern. Die Stimmung war irgendwie sehr gereizt und so gingen wir weiter. Bloß nicht provozieren! Und nicht provozieren lassen! Uns geht es um den Fußball und „la familia“!

Unterwegs erinnerten wir uns an Bernardo. Er ist der Geschäftsführer des Hardrock Cafés in Lissabon. Wir lernten ihn in Kopenhagen kennen, als wir am 14. Februar beim Europa League Spiel FC Kopenhagen – Atlético Madrid waren. Er nutzte ein internes Austauschprogramm und arbeitete zu der Zeit im dortigen Hardrock Café. Wir mussten ihm damals versprechen, ihn zu besuchen falls es uns irgendwann noch mal nach Lissabon verschlägt. Damals ahnte niemand, dass sich diese Möglichkeit so schnell ergab!

Und ja, auf Nachfrage versicherte uns ein Köbes, dass er da wäre. In dem Moment sahen wir ihn die Treppe vom Souterrain herauf kommen – er erkannte uns sofort und wir fielen uns in die Arme. Alles war wunderbar… bis er sich als Sporting Lisboa Fan outete! Pfff! Nun, bei den Kellnern schlug das Herz für Benfica (und demzufolge heute für Atlético Madrid) und ohne Umschweife hatten sie die magischen Wörter „Aúpa Atleti“ verinnerlicht und skandierten sie lauthals hinter der Theke; um das ganze noch etwas eindrucksvoller zu gestalten wurden dabei gläserne Trinkgefäße schwungvoll auf den Boden hinter der Theke geschleudert. Die Jungs hatten wirklich Spaß und drehten auf – Bernardo hingegen verdrehte die Augen und bekam einen merkwürdigen Gesichtsausdruck. Wir hatten Spaß, die Getränke waren inzwischen „für lau“ und die Vorfreude auf das Spiel stieg.

Einige Kunden, die sich uns an der Theke angeschlossen hatten, erzählten, dass sie in der vorhergehenden Woche beim Hinspiel in Madrid waren und lobten unser Metropolitano und das Benehmen der Colchoneros, was uns sehr glücklich und stolz machte. Es waren auch Leute aus Leicester darunter, unser Highlight im letzten Jahr in Sachen Fußballreisen. An Gesprächsstoff mangelte es uns nicht…
An Tagen wie diesen wird einem klar, dass es die Erlebnisse, die neuen Bekanntschaften und bleibenden Erinnerungen sind, die für uns neben dem eigentlichen Spiel die Faszination Fußball ausmachen.

Wir verabschiedeten uns schweren Herzens von Bernardo (es war mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass wir uns sehen), ein letzter Gruß für die einmalige Crew am Zapfhahn und los ging es Richtung Stadion. Mit der Metro zu fahren schien uns unter den Umständen nicht ratsam, also gönnten wir uns ein Taxi. Leider ließ es uns an einer ungünstigen Stelle aussteigen und unmittelbar nach dem Aussteigen lief schon ein Sporting Fan auf uns zu und versuchte Peter den Schal zu entreißen. Zum Glück reagierte die Polizei sehr schnell und nahm den Angreifer fest; uns hingegen begleiteten sie bis zum Eingangstor des Gästebereiches, wo ein großes Chaos herrschte.

Die Sicherheitsleute untersuchten uns gründlich und nahmen uns diverse Gegenstände ab, darunter meine (noch warmen!) Pasteis de Belem und die PACG-Fahne. Ohne große Umschweife wurde alles in riesige schwarze Plastiksäcke gesteckt. Wie es kam, von wem oder was spielte keine Rolle, ein heilloses Chaos. Die Aggressivität der Polizei vor Ort war für uns völlig unerklärlich, unnötig und demzufolge übertrieben.

Unzufrieden mit der Situation habe ich entschieden, den Vorfall anzuzeigen. Ich musste dafür in die Katakomben des Stadion hinab steigen, wobei mich sieben Polizisten begleiteten. Der Weg dorthin führte an den gegenüber liegenden Rängen der Heimfans vorbei und ich lernte unzählige, mir vorher nicht bekannte, Schimpfwörter und Beleidigungen kennen.

Die Anzeige zu erstatten war nicht so einfach: keiner fühlte sich dafür verantwortlich, der vor mir sitzende Polizist widmete seine Aufmerksamkeit fast vollständig seinem belegten Brot, welches er mit großem Appetit zu sich nahm; daneben die Anzeige aufzunehmen und zu schreiben kam für ihn in dem Moment eher ungelegen, zumal seine Kollegen alle auf die zahlreichen Monitore schauten und dem Spiel folgten bzw. die Zuschauerränge im Auge hatten. Das Tor von Sporting habe ich dort gesehen, aber die Freude der Polizisten hielt sich in Grenzen; ich glaube, sie waren fast alle Benfica-Anhänger.

Kurz vor dem Ende der 1. Halbzeit durfte ich dann zum Gästeblock zurück kehren. Nach Spielende tauchten wir durch die schwarzen Säcke bis wir unsere Fahne wieder in den Händen hielten. Die leckeren Teilchen waren leider verschwunden, hoffentlich hat sich jemand daran verschluckt!

Atlético hat sich fürs Halbfinale qualifiziert, wir haben unsere PACG-Freunde und Bernardo wieder gesehen und sind eine Erfahrung reicher. Allein aus diesen Gründen hat sich die Reise gelohnt!

Leider hat uns dieses Mal ein wenig der Kontakt zu den Fans beider Mannschaften gefehlt, aber… Ende gut, alles gut!

Von | 2018-05-24T22:42:02+00:00 24. April 2018|PACG|