[Tourbericht] Begegnungen mit Legenden – Legendäre Tour nach Madrid

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[Tourbericht] Begegnungen mit Legenden – Legendäre Tour nach Madrid

Ein Reisebericht von Esther und Norbert Feith

Bescheiden und mit offenherziger Freundlichkeit betrat der Altmeister der 1970er Jahre das Lokal Matthani im Schatten des Stadions Vicente Calderón. Hier war vor 15 Jahren unsere Peña gegründet worden. Heute erwies uns Luiz Pereira gemeinsam mit seiner Frau anlässlich unserer Madridtour 2018 zum gemeinsamen Abendessen die Ehre und überbrachte als Repräsentant die Grüße von Atlético Madrid. Zweifellos ein berührender Moment in einem an Höhepunkten auch sonst reichen Wochenende. Darum der Reihe nach…

Seit langem beschäftigte den Peña-Vorstand die Idee, einmal die jährliche Mitgliederversammlung in Madrid einzuberufen und mit einem gemeinschaftlichen Spielbesuch zu verbinden . Die Sorge, ob die weite Anfahrt abschrecken würden, konnte im Vorfeld beruhigt ausgeschlossen werden; nach einer vorgeschalteten Interessenabfrage machten sich schließlich über 35 Peña-Mitglieder und Freunde in Richtung Madrid auf.

Erster Treff am Nachmittag war die gemeinsame Tour durch das neue Stadion Wanda Metropolitano. Zwar hatten viele die äußere geschwungene Erscheinung durchaus beeindruckt, das Heimatgefühl des altehrwürdigen Calderón muss aber erst noch wachsen. Umso wichtiger nun, einmal die heiligen Hallen von Innen zu erleben. Und tatsächlich hält der Rundgang alles, was eine moderne Spielstätte auf Topniveau verspricht: großzügige VIP-Bereiche, eine moderne Presselonge und das „Allerheiligste“, die Spielerumkleide, in allerfeinster Aufmachung.

Am frühen Abend dann zunächst die förmliche Mitgliederversammlung, an der 22 stimmberechtigte Mitglieder teilnahmen. Darunter auch Mariano, unser ältestes Mitglied (86 Jahre jung) und ein Rojiblanco seit er sieben Jahre alt ist. Er hat auch sehr viel zu unserem Buch „111 Gründe, Atlético Madrid zu lieben” beigetragen und kennt sicherlioch noch mehr als 1.000 weitere Gründe.

Nach dem kurzen Kassenbericht des Vorsitzenden und der einstimmigen Entlastung des Vorstandes für das vergangene Jahr – begleitet von kräftigem Dankesapplaus für den geleisteten Einsatz – erfolgte eine intensive Aussprache über einen Antrag zur Änderung der Vergabe von knappen Spieltickets, die der Peña für begehrte Spiele vom Verein zugeteilt werden. Vielfahrer argumentierten dafür, dass nicht nur die aufsteigenden Mitgliedsnummern als Kriterium herangezogen werden, wie dies der Verein sehr wohl tut. Auch der Aufwand für die Anreise und Eintritt bei weniger spektakulären Spiel, die die besondere Treue und Verbundenheit ausdrücken, mögen einfließen.

Mit breiter Mehrheit wurde schließlich eine Neuregelung beschlossen, die Vielfahrern, die ihre Spielbesuche über die Peña anmelden, bei knappen Kartenkontingenten eine von neun Eintrittskarten (zwei von 19, drei von 29….) als Sonderregelung zugesteht. Alle anderen Karten erhalten wie bisher privilegiert der Vorstand und Mitglieder mit entsprechend niedriger (Atlético-) Mitgliedsnummer.

Ohne gesonderte Abstimmung, aber mit viel Sympathie wurde unter „Verschiedenes“ ins Auge gefasst, regelmäßig jedes zweite Jahr eine Mitgliederversammlung in Madrid durchzuführen. Ausgenommen sind aus Gründen der Rechtssicherheit Mitgliederversammlungen, bei denen Vorstandswahlen erfolgen.

Das Ende der Versammlung ging dann schon im großen Hallo der überraschenden Ankündigung Cesars unter, der den Besuch des abendlichen Ehrengastes Luiz Pereira mitteilte. Dieser brachte zum Andenken an den Besuch ein Atlético-Trickot mit der 16 (Jahre Peña) und den Namen des Fanklubs mit, das er feierlich an Präsident André überreichte. Und natürlich sollte er, der auch spanischer Meister (1976 und 1977) wie Pokalsieger (1976) wurde, aus seiner großen Zeit berichten. Da fällt ihm natürlich sofort die Begebenheit aus dem Bernabéu ein, wo zugunsten von Atlético die Meisterschaft entschieden wurde. Ein Madridista bewarf ihn mit einer vollen Bierdose, doch statt sich zu beschweren trank er die Dose spontan aus. Einmal versuchte Franz Beckenbauer, ihn zu Bayern München abzuwerben. Atlético-Präsident Vicente Calderón rief ihn an und erschrak: „Luiz, das können wir nicht bezahlen!“ „No te preocupes“, habe er ihm geantwortet, „mach dir keine Sorge. Ich bleibe hier! Die Farben von Atléti sind meine zweite Haut.“ Eine von sportlicher Heimat und nicht von Geld geprägte Entscheidung, die uns aufrichtigen Respekt abnötigte!

So vergingen Stund um Stund, Luiz und wir alle hatten eine Menge Spaß miteinander. Spanische Delikatessen in fester und flüssiger Form wurden serviert, manch eine Karaffe, die mit Bier gefüllt hinein getragen worden war, verließ geleert den Raum. Feinschmecker ließen es sich nicht nehmen, am Ende noch in den Geschmackswettbewerb um den besten Absacker einzutreten – Ponche auf Eis oder (nahezu unaussprechlich nach Mitternacht) Crema de Orujo!

Das am Sonntag geplante 2. Frühstück ( freiwillig) ab 10 Uhr im “Museo de Jamon” konnten und wollten dann nicht alle mehr wahrnehmen.
Kaffee Detox oder Wermuth Griffo war dann wohl um die Uhrzeit zu heftig. Nach wieviel Runden Bier dann aber die Fahrt zum Wanda Metroplitano angetreten wurde, ist nicht dokumentiert.

Das Ligaspiel gegen Levante am folgenden Nachmittag verfolgten wir fast alle gemeinsam aus luftiger Höhe bei vergleichsweise frischen Temperaturen. Auch Mariano konnte endlich Mal sein erstes Spiel im Metropolitano (das bereits dritte Stadion seiner Fangeschichte) sehen und war trotz beschwerlichem Aufstieg gerne dabei und hatte offensichtlichen Spaß am gemeinschaftlichen Fussballerlebnis mit der Peña aus Alemania. Rund um das Stadion hatten schon Stunden vorher viele tausend Socios ihren Nachwuchs zum „Tag des Kindes“ mitgebracht. Hüpfburgen, Rutschen, Autogrammstunden der Frauenmannschaft, ein Hindernisparcours der Luftflotte und natürlich reichlich Essen und Trinken sorgten für gute Laune und Identifikation.

Atlético spielte die Partie gegen den Abstiegskandidaten souverän runter und gewann klar und ungefährdet mit 3:0; ein Pflichtspielsieg in gewohnter Sicherheit, anders als das schwächere, verloren gegangene Europapokal-Spiel in Lissabon wenige Tage zuvor. Trainer Cholo Simeone nahm die Gelegenheit in der zweiten Halbzeit wahr, den von den Rängen lautstark geforderten Fernando Torres einzuwechseln. Er dankte es mit dem Tor zum 3:0 – vielleicht das letzte vor heimischem Publikum, da „ El Niño“ Ende der Saison den Verein verlässt. Für uns war es die Gelegenheit, mit ihm eine weitere, jüngere Legende von Atlético – wenn auch für die meisten nur aus der Ferne – noch einmal zu erleben. Doch dabei sollte es nicht bleiben, denn Marco und Cesar wurden vom Verein ausgewählt nach dem Spiel unseren Fanklub zu repräsentieren. So durften die beiden nach dem Spiel noch einen Schnack mit dem Trainer-Team und Chefcoach Simeone halten, wie auch einige Spieler über den Fanklub informieren. Darunter eben auch ein gewisser Herr Fernando José Torres Sanz, mit dem vor 15 Jahren alles begann.

Bis spät in die Nacht hinein, als die meisten schon am Flughafen oder auf dem Weg in ihr spanisches Domizil waren, nahm der Sturm der WhatsApps kein Ende mit dem Tenor, ein tolles Wochenende in rot-weiß erlebt zu haben, das unbedingt nach einer Wiederholung verlangt.

Einig waren wir uns vor allem auch im Dank an den Vorstand für eine rundum gelungene Organisation des interessanter Programms in Abstimmung mit dem Verein. Man mag sich nur ungefähr vorstellen, wieviele ehrenamtliche Stunden für für telefonische Absprachen, E-Mails u. a. notwendig waren. Dort, beim Verein, nimmt man offensichtlich die Peña aus Alemania als engagierten und zuverlässigen Partner wahr, der gerne gesehen wird. So möge es bleiben und sich weiter entwickeln. Aúpa Atléti!

 

 

Von | 2018-05-24T22:42:01+00:00 29. April 2018|PACG|