Interview mit Tomáš Ujfaluši

///Interview mit Tomáš Ujfaluši
Interview mit Tomáš Ujfaluši 2015-10-08T09:10:06+00:00

Interview mit Tomáš Ujfaluši (2008/2009)

Interview mit Tomáš Ujfaluši

Tomáš Ujfaluši

Im Vorfeld der Champions League Qualifikation auf Schalke, ließ sich der Peña Atlética Centuria Germana die Möglichkeit nicht entgehen, mit dem damaligen Neuzugang Tomáš Ujfaluši, ein Interview zu führen.
Der Defensivakteur nahm sich die Zeit, um wenige Stunden vor dem wichtigen Spiel gegen Schalke, die Fragen des deutschen Fanklubs, zu beantworten.
Das Interview wurde in Bild und Ton festgehalten und ist natürlich hier einzusehen.

Durch das Interview leitet André Kahle.

 

Das Interview als Video

 

Das Interview in Textform

PACG: Hallo Herr Ujfalusi, es ist uns eine große Ehre, Sie hier treffen zu dürfen. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen.
Sie spielen nun zum ersten Mal in Ihrer Karriere für einen spanischen Verein und dürfen gleich im ersten Pflichtspiel für Atlético in das Land, in dem Ihre internationale Karriere begonnen hat, was verbinden Sie noch heute mit Deutschland und was haben Sie Ihre neuen Mitspieler über Schalke erzählt?

TU: *lacht* Über Deutschland? Also ich habe dreieinhalb Jahre in Hamburg gespielt und wie du gesagt hast, dass war mein erster Verein im Ausland, für mich, als ich 21 oder 22 Jahre alt war und es war schön. Schöne Stadt, gute Mannschaft, leider haben wir uns nicht in dreieinhalb Jahren für die die Champions League qualifiziert. Also ich habe nur einmal im UEFA-Cup mitgespielt, aber auch nicht gut. Und, ja, ich habe nicht so viele Freunde, sagen wir fast keine. Ich habe einen Freund in Hamburg und paar Spieler mit denen habe ich noch gespielt habe.

PACG: Heute wird es ein Wiedersehen mit Matthias Schober geben, das war ja einer Ihrer Mitspieler aus Hamburger Zeiten. Wir erinnern uns noch an den 34. Spieltag der Saison 2000/’01 und dem wohl verhängnisvollsten Rückpass der Bundesliga Geschichte. Wie haben Sie diese letzten Minuten, im Spiel gegen die Bayern in Erinnerung?

TU: *lacht* Also ich erinnere mich ganz gut, weil danach habe ich mir die Bilder angeguckt, als Schalke schon Meister geworden ist und trotzdem ist am Ende Bayern München wieder Meister geworden. Meiner Meinung nach war das eine schlechte Entscheidung des Schiedsrichters, weil ich das nicht wollte, das war nicht absichtlich mein – Rückpass. Und natürlich wollte Matthias das auch anders spielen und den Ball wegschießen, aber er hat sich so entschieden und leider haben wir ein Tor bekommen, durch das Bayern München Meister geworden ist.

PACG: Damals versank Schalke in einem blau-weißen Tränenmeer, ganz so schlimm wie damals, wird es wahrscheinlich bei einer Niederlage gegen Atlético nicht mehr werden, aber was muss Atlético in den beiden Spielen gegen Schalke berücksichtigen, um Königsblau zu schlagen und in die Gruppenphase der Champions League einzuziehen?

TU: Wir wissen alle, dass Schalke eine sehr gute Mannschaft ist, nicht nur dieses Jahr sondern schon die letzten drei, vier Jahre immer an der Spitze der Bundesliga mitspielt. Wir müssen hinten ganz gut stehen, damit wir kein Tor bekommen. Und ich gehe davon aus, mit unserer Stärke nach vorne, bekommen wir sicherlich ein paar Möglichkeiten ein Tor zu schießen.

PACG: Sie sind ja nun schon drei bis vier Wochen in Madrid, viele Spieler sind ja abergläubisch, gibt es auch für Sie ein bestimmtes Ritual, welches Sie jetzt in Madrid auch haben bzw. haben Sie einen Glücksbringer?

TU: Nein, habe ich nicht. Hatte ich einmal, aber jetzt nicht mehr. Als ich jünger war, jetzt bin ich ja schon älter geworden.

PACG: Sie sind einer der erfahrensten Spieler bei Atlético Madrid, mit 69 Länderspielen, für Ihr Heimatland Tschechien, gehören Sie so zusagen zu den Veteranen im Team von Javier Aguirre. Was war der einprägsamste Moment in Ihrer internationalen Karriere?

TU: Also, das war sicherlich mein erster Vertrag in Hamburg, weil dadurch bin ich auch in die Nationalmannschaft gekommen und das war der erste Schritt – natürlich. Dann habe ich viel gearbeitet … immer, immer, immer. Ich arbeite auch jetzt noch viel. Und ich habe auch immer gesagt, als ich nach Hamburg kam, dass ich mir ganz gut vorstellen kann, immer drei, vier Jahre in einem Land zu spielen und dann wieder zu wechseln um etwas neues zu versuchen.

PACG: Sie sprechen ja, wie wir hören können, perfekt Deutsch, zudem fließend Englisch und Italienisch. Angeblich ist Ihr Tschechisch auch ganz gut, ab wann können Sie denn dieser Liste auch noch Spanisch hinzufügen und fällt es Ihnen schon jetzt leicht, ein bisschen mit Ihren Mitspielern zu kommunizieren?

TU: Sagen wir so, es gibt Vorteile, da es vier oder fünf Spieler gibt, die ganz gut Englisch sprechen. Ich spreche mit Seitaridis, Luis García, Diego Forlán, Simao und Heitinga Englisch. Aber ich spreche perfekt Italienisch, das bedeutet, dass ich Spanisch richtig viel verstehe. Und das was ich brauche, dass kann ich auch sagen und das wird immer besser und besser.

PACG: In jeder Mannschaft gibt es verschiedene Charaktere, Sie ein sehr sympathischer Spieler, erzählen uns doch ein bisschen über Ihre Eindrücke bei Atlético, wer ist der Spaßvogel der Mannschaft, wer ist der ehrgeizigste Spieler und wer ist der größte Frauenschwarm?

 

TU: *lacht* Das weiß ich nicht. Also die letzte Frage kann ich nicht beantworten, weil wir trainieren immer so viel … wir haben keine Zeit. Wir sind noch nicht ausgegangen …

(Anm. d. Red.: An dieser Stelle folgte ein lustiger und interessanter Dialog über Cesars Frau und den animalischen Ujfalusi. Schaut Euch das Video an und genießt es!)

Seita, das ist einer der macht ganz gerne Spaß. Einen ehrgeizigsten Spieler gibt es nicht, nur auf dem Platz, aber sonst sind wir ein ganz gutes Team.

PACG: Sie haben aber ja nun schon viele Vereine erlebt, ist das Mannschaftsgefüge bei Atlético intakt?

TU: Ja, aber das habe ich auch so erwartet, die haben mich alle angenommen, als ob ich schon ein paar Jahre hier gespielt hätte. Also damit hatte ich nie Probleme und es war genauso wie sonst auch.

PACG: Viel hängt von dem Weiterkommen gegen Schalke ab, spüren Sie einen großen Druck auf sich und auf der Mannschaft und wie glauben Sie, wird die Mannschaft damit umgehen? Wird das die Spieler motivieren, nach vorne pushen oder ist es vielleicht sogar so, dass Sie etwas verkrampft sein werden?

TU: Sicherlich haben wir zwei Spiele des Jahres vor uns, mindestens für mich, weil ich habe noch nie in der Champions League gespielt, deswegen würde ich es gerne probieren. Aber wir wissen natürlich, dass es zwei Spiele gibt, nicht nur eins also können wir nicht nur nach vorne spielen, sondern wie ich gesagt habe, wir müssen hinten ganz gut stehen und immer aufpassen auf die Stürmer und auch auf die Standardsituationen, weil sie sind ganz gut sie haben gute Kopfballspieler so wie Kuranyi so wie Bordon. Und wie ich gesagt habe; ich kann mir vorstellen hier entweder 0:0 zu spielen oder 0:1 zu gewinnen – das wäre noch besser. Weil in unserem Stadion, davon gehe aus, mit unseren Fans auch mehr Unterstützung haben. Und dass wir uns sicherlich qualifizieren.

PACG: Zu guter letzt, gibt es etwas, das Sie den Atlético Fans und insbesondere den Deutschen Atlético-Fans mit auf den Weg geben und werden wir uns am Ende der Saison am Neptuno Brunnen sehen, um einen Titel zu feiern?

TU: Das wäre schön. Das kann ich mir sicherlich auch vorstellen und wir machen alles um irgendwas zu gewinnen, aber es ist unser erster Tag und unser erstes Ziel ist es, uns für die Champions League zu qualifizieren und das haben alle Spieler im Kopf und dafür müssen wir alles tun.

PACG: Herr Ujfalusi, wir bedanken uns Ihnen im Namen aller deutschen und internationalen Atlético-Fans. Dieses Interview wird auf Spanisch, Englisch und Deutsch auf der Web-Seite des deutschen Fanklubs, dem Peña Atlética Centuria Germana veröffentlicht werden. Es war uns eine große Freude, Sie zu treffen und hier in Deutschland mit Ihnen sprechen zu dürfen. Wir wünschen Ihnen das Beste sowohl für Ihre persönliche Karriere als auch für ihre Zukunft als Rojiblanco. Wir hoffen, Sie in ein paar Wochen mit Atlético in der Champions League Gruppenphase weiterhin erleben zu dürfen und wünschen Ihnen heute, ab 20:45 Uhr, viel Erfolg. Wenn Sie einmal Hilfe in Deutschland benötigen, lassen Sie es uns wissen, wir helfen Ihnen gerne!

TU: Dankeschön!