Interview mit Mirko Votava

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Interview mit Mirko Votava 2015-01-24T10:48:44+00:00

Interview mit Mirko Votava (2004/2005)

Interview mit Mirko Votava

Mirko Votava

Am Donnerstag, den 06. Februar 2004 bekam unser Fanklub die einmalige Chance, ein Exklusivinterview mit einem der ehemaligen Spieler von Atlético Madrid, Herrn Mirko Votava, zu führen.
Herr Votava spielte in der Zeit von 1982-1985 bei den Rojiblanco. Zur Zeit des Interviews, ist Herr Votava, der Trainer von Union Berlin.
Das Interview wurde über Telefon geführt und aufgezeichnet.

Durch das Interview leitet André Kahle.

 

Das Interview als Video

 

Das Interview in Textform

Heute, am Donnerstag, den 06. Februar 2004, besteht für uns, dem Peña Atlética Centuria Germana, die große Möglichkeit, mit dem jetzigen Cheftrainer von Union Berlin, Herrn Mirko Votava zu sprechen. Herr Votava, der den meisten Deutschen auf Grund seiner erfolgreichen Zeit mit Werder Bremen in Erinnerung ist, spielte in der Zeit von 1982 – 1985 im Dress der Rojiblanco.

Mirko Votava ist neben Bernd Schuster, der einzige Deutsche, der jemals für Atlético seine Fußballschuhe schnüren durfte. Aus diesem Grunde freuen wir uns vom Fanclub umso mehr, Herrn Votava begrüßen zu dürfen.

PACG: Herr Votava, gleich vorweg schon einmal einen herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview mit uns genommen haben.
Ihr Trainerkollege und Handball Europameister mit der deutschen Nationalmannschaft, Heiner Brandt, verlor unlängst nach dem gewonnen EM Titel sein Markenzeichen, den Schnurrbart. Bei den Fans in Madrid sind Sie noch heute bekannt durch Ihren Schnauzer. Haben Sie Ihren Bart in den letzten 20 Jahren jemals abgeschnitten, oder würden die Fans Sie in Madrid, heutzutage noch immer an Ihrem Schnäuzer erkennen?

MV: Ich denke schon und werde ihn wohl auch behalten, denn ansonsten bekäme ich Probleme mit meiner Frau.

PACG: Sie wechselten 1982 von Borussia Dortmund nach Spanien, warum kehrten Sie der heimischen Bundesliga, (in der Sie 6 Jahre spielten), den Rücken und warum sind Sie nach Spanien gewechselt?

MV: Das war eine neue Herausforderung, zumal mein Vertrag bei Borussia Dortmund ausgelaufen war. Mit dem harten Präsident Dr. Rauball kam ich leider auf keinen Nenner, so dass die Offerte aus Madrid gerade richtig kam. Ich bin dann für 1,2 Millionen Mark nach Spanien gewechselt und habe die drei Jahre im Nachhinein nicht bereut.

PACG: Atlético ist ein besonderer Verein in Spanien, was brachte für Sie den Ausschlag neben der Sache mit dem Präsident, zu Atlético zu gehen und nicht zu einem anderen Verein? Wie wurden Sie ein Rojiblanco?

MV: Ich hatte aus Spanien nur die Offerte von Atlético Madrid. Damals war Vicente Calderón noch Präsident, Gil y Gil habe ich erst später kennen gelernt. Ich habe mir ein paar Spiele angeschaut und mich dann entschieden. Damals hatte ich mit Luis Aragones, der jetzt Trainer in Mallorca ist, einen Coach, den ich ähnlich wie Otto Rehhagel schätzen gelernt habe und der auch wusste, was er an mir hatte.

PACG: Was für ein Gefühl war das für Sie, als Spieler in das Stadion Vicente Calderón einzulaufen? Oder gab es für Sie keinen Unterschied zu den deutschen Stadien, wie zum Beispiel dem Weserstadion oder dem Westfalenstadion, in denen Sie auch über einige Jahre erfolgreich spielten?

MV: Wissen Sie, auch wenn man als defensiver Mittelfeldspieler für eine hohe Summe nach Spanien gewechselt ist, muss man nur das spielen, was man bereits zuvor in der Bundesliga gespielt hat. Man muss nicht brasilianisch spielen, sondern nur das spielen, für was man eingekauft wurde. Ich habe die Liga zunächst unterschätzt, konnte mich aber nach und nach durchsetzen.
In Spanien haben sie natürlich tolle Stadien, gleich ob Nou Camp oder Bernabeu. Auch wir hatten stets 50.000 Dauerkarten verkauft und die Leute waren immer da. Insgesamt war es eine Riesesache im Vicente Calderón.

PACG: Was war der schönste Moment den Sie als Spieler in Madrid erleben durften und was war der schmerzhafteste?

MV: Wir sind Pokalsieger geworden, woraufhin es eine Riesenfeier gab. Sie wissen ja, dass die Spanier sehr gut feiern können und leben können. Dies hat mich motiviert, noch weitere Titel zu gewinnen, doch leider sind wir nicht mehr dazu gekommen.


 

PACG: Vermissen Sie etwas aus Ihrer Zeit in Spanien bzw. Atlético, was Sie gerne wieder erleben würden? Und wenn Ja was?

MV: Ich mache jedes Jahr Urlaub in Spanien, da mir die Mentalität sehr liegt. Außerdem stehe ich dazu, wie sich die Leute in der Öffentlichkeit verkaufen, sie sind alle menschlich geblieben. In den Orten und Städten gibt es sehr viele Cafés – im Gegensatz zu anderswo leben die Spanier mehr auf der Straße und verstecken sich nicht in der Wohnung.

PACG: Sie erwähnten vorhin Luis Aragones. Hat die „Atlétischule“ bei Ihnen Spuren hinterlassen und setzen Sie heutzutage als Trainer Erfahrung aus Ihrer Zeit in Spanien um?

MV: Es prägt natürlich, wenn man früh ins Ausland wechselt und dort eine neue Sprache und Mentalität kennen lernt, was für einen jungen Mann sehr wertvoll ist. Ich habe nach wie gute Connections zu Atlético und auch Luis Aragones, was auch nie abbrechen wird. Obwohl meine Zeit bei Atlético von 1982 – 85 sehr weit zurückliegt, erkennen mich die Leute nach wie vor. Wie Sie schon sagten, vielleicht liegt es an meinem Schnäuzer.

PACG: Das heißt, Sie stehen noch immer in Kontakt mit Freunden oder Spielern aus der damaligen Zeit?

MV: Auf jeden Fall! Einige aus der damaligen Zeit sind noch immer dabei wie z.B. der jetzige Rechtsanwalt Clemente oder Pedraza, der mittlerweile Spielerberater ist. Als wir ein Trainingslager auf Mallorca gemacht haben, habe ich z.B. Geschäftsführer Carlos Peña angerufen, der mir daraufhin Karten besorgt hat, damit wir mit der ganzen Mannschaft ein Spiel schauen konnten.

PACG: Interessieren Sie sich noch heute für Atlético Madrid und ertappen Sie ab und an, wie Sie nach den Ergebnissen der Rojiblanco schauen?

MV: Ich ertappe mich natürlich immer. Sie haben leider zuletzt 3:0 verloren, sind aber auf dem besten Weg sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Dies würde ich ihnen sehr gönnen. Ich weiß gar nicht, ist es jetzt finanziell besser durch den Gil y Gil?

PACG: Wo Sie es ansprechen: Gerade gestern wurde dem Präsidenten Jesus Gil y Gil seine Aktienmehrheit, über 95% bestätigt. Der Club hat die letzten Jahre unter dem Gil Regime stark gelitten. Viele wünschen sich Vicente Calderón als Präsidenten zurück. Was können Sie über Präsident Calderón sagen, unter dem Sie damals noch spielten?

MV: Er ist leider, nach meinen Weggang verstorben. Menschlich war er ein toller Typ, doch auch schon damals gab es finanzielle Probleme, worüber wir Spieler uns aber kaum Gedanken gemacht haben. Irgendwie ging es immer weiter, bis dann Gil y Gil kam, der ein paar Millionen in den Verein herein geschossen. Und wie man sieht, geht es noch heute weiter.

PACG: Was möchten Sie den deutschen Atlético Fans als letztes mit auf den Weg geben?

MV: Bleibt wie ihr seit!

PACG: Herr Votava, im Namen des Peña Atlética Centuria Germana, möchte ich mich bei Ihnen ganz recht herzlich, für die Zeit, die sie uns zur Verfügung gestellt haben, bedanken. Es hat mir riesig Spaß gemacht mit Ihnen zu sprechen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Union Berlin und Ihrer weiteren Karriere. Viel Glück und Gesundheit für Sie und Ihre Familie und wer weiß, vielleicht treffen wir uns eines Tages mal in Bremen oder Dortmund zu einem Champions League Spiel zwischen 2 ehemaligen Klubs, für die Sie spielten.
Muchas Gracias!