Das Beste zum Schluss? Finale in Liong!

//Das Beste zum Schluss? Finale in Liong!

Das Beste zum Schluss? Finale in Liong!

Ein Reisebericht von Carmen García

Esther, Norbert, Pablo, Patrick, Marcel, Matthias, Carmen und Henrik. Acht Colchoneros (zwei davon zum ersten Mal dabei) auf dem Weg zum Finale nach Lyon. Olympique Marseille gegen Atlético Madrid. Im Kofferraum türmten sich Tortilla, Gemüsekuchen, Schinken, Käse, eine ganz besondere Flasche Whisky als Einstand von Patrick, Kaltgetränke diverser Brauereien und im ganzen Wagen verteilt eine Mischung aus Vorfreude und Hoffnung.

Ich hatte mir überlegt für die Tour T-Shirts bedrucken zu lassen und sie sind, so nicht nur meine Meinung, recht ansehnlich geworden. Auf dem Rücken steht weithin sichtbar: „Peña Atlética Centuria Germana on tour“. Also stülpen wir uns alle brav unsere Leibchen über und starten gegen 0:00 Uhr von Hennef aus gen Frankreich. Wir versuchten es uns so gemütlich wie möglich zu machen und Henrik & Marcel brachten uns ohne Probleme ans Ziel.

Nach einer Frühstückspause, in der wir längs der Autobahn unsere weit gereisten Leckereien genießen konnten, erreichten wir gegen 8:00 Uhr den Stadtrand von Lyon und steuerten zunächst einen Carrefour an, weil doch noch das ein- oder andere vermisst wurde (Wein, Eiswürfel, Baguette, ..). Anschließend ging es weiter in die City zum Hotel Radisson Blu, in dem unsere Eintrittskarten im 32. Stock auf uns warteten.

Vom großen Finale war in der Stadt um diese frühe Uhrzeit noch nicht viel zu spüren. In luftiger Höhe trafen wir also auf Patricia, die uns auch ohne Umschweife den Umschlag mit den Tickets aushändigte. Während wir uns noch der Aussicht wegen die Nasen an den Fensterscheiben platt drückten bemerkten wir, dass wir uns mitten „in der Familie“ befanden – um uns herum die Spielerfrauen nebst dem Nachwuchs. Lautaro (Giménezs Sohn) fand, dass man mit Mias (Griezmanns Tochter) Koffer ausgezeichnet Fußball spielen kann. Wieder und wieder stellte er den kleinen Trolley auf und arbeitete an seiner Schusstechnik. Während sich die Mütter unterhielten, machten die Blagen, die fast alle im selben Alter sind, das Hotel unsicher. Als sie aufbrachen, blieb Mia etwas verloren im Gang stehen und vermisste anscheinend ihren Koffer, den wir ihr hinterher brachten und in die Hand drückten. Wer weiß, manchmal machen auch kleine Gesten den Unterschied – vielleicht schaut sie gerade jetzt ihren Vater mit großen Augen an und erzählt, dass sie gerne bei den vielen netten Menschen von Atlético bleiben möchte…

Beim Verlassen des Hotels trafen wir unten in der Lobby auf Luiz Pereira – großes Hallo und große Freude! Er hatte uns sofort wiedererkannt und selbst verständlich wurde dieses unerwartete Wiedersehen im Bild festgehalten. Wenige Stunden später prangte dieses Foto auf seiner Facebook-Seite, was uns natürlich auch ein wenig mit Stolz erfüllt. Sooo einen schlechten Eindruck haben wir auf der Mitgliederversammlung wohl nicht bei ihm hinterlassen, zumal er mich direkt mit meinem Namen ansprach.

Dieses Mal hatte die UEFA keine gemeinsame Fanzone eingerichtet, nur räumlich voneinander abgeriegelte Treffpunkte für die Anhänger der beiden Kontrahenten. Für die Atlético Fans war das der Place Carnot, zu dem wir dann auch fuhren. Einen Willkommensgruß erhielten wir direkt, nachdem wir am Straßenrand angehalten hatten: eine französische Familie rief uns aus ihrem Auto heraus und zeigte uns stolz einen Zettel, den ein kleines Kind von innen ans Autofenster drückte: „Vamos Atlético“ stand da mit rot-weißen Buchstaben gemalt und wir waren uns in dem Moment sicher, dass wir dort richtig sind.

Während der Wagen in Stadionnähe geparkt wurde blieben einige von uns direkt auf dem Platz, der eigentlich ein Park mit einem etwas erhöht angelegtem Brunnen ist. Es hatten sich schon so viele der angereisten Colchoneros hier zusammen gefunden, dass er sich in einen rot-weißen Ameisenhaufen verwandelt hatte. Mein Handy gab von da an keine Ruhe mehr: die Peña aus Polen, aus Großbritanien, Alicante, … alle wollten sich mit uns treffen. Was hat die PACG, was sie so beliebt macht? Auf dem Platz konnte ich keine drei Meter laufen ohne das mich jemand anhielt und begrüßte. Ich war überrascht und schämte mich ein wenig, als ich merkte, dass ich mich nicht auf Anhieb an jeden erinnern konnte der mich begrüßte. Aber meine Freude war groß so viele der bekannten Gesichter wiederzusehen! Hier fühlte ich mich zu Hause!

Pablo, unser Küken, flog derweil von vielen Händen getragen mit seinem Rollstuhl durch die Lüfte, sichtlich glücklich. Er hatte uns unterwegs erzählt, dass seine ganze Familie Real Madrid Anhänger seien. Seine Überraschung war umso größer, als er bemerkte, dass sein Vater und sein Onkel extra nach Lyon gereist waren, um diesen besonderen Tag mit ihm zusammen zu erleben (mit Atlético Trikots!). Das berührte, Tränen kullerten als ich Pablos Familie begrüßen durfte.
Unsere Kühlbox war (noch) gut gefüllt und nach und nach tauchten weitere Centurios auf. Auch die vier Tropfen Regen konnten die Stimmung nicht im Geringsten trüben, es wurde gesungen und getanzt. Die Vorfreude auf das Spiel war allenthalben groß und der Place Carnot füllte sich immer weiter. Die Stimmung auf dem Platz war grandios!

Gesänge, das Teilen von Getränke und Essen, das Wiedersehen… das alles hat wieder sehr viel Spaß gemacht. Es kamen Leute auf uns zu, die wir noch nie vorher gesehen hatten und stellten sich vor, weil sie von der PACG gehört hatten. Was mich sehr freut, zeugt es doch davon, dass unsere Peña anscheinend als ein ziemlich sympathischer Haufen angesehen wird.

Es wurde langsam Zeit zum Stadion aufzubrechen. Die befürchteten Marseille Fans waren nirgends auszumachen, in der Hinsicht schien das Konzept der Organisatoren aufzugehen. Doch der Weg entpuppte sich trotzdem als „etwas holprig“: die Polizei führte die Sicherheitskontrollen bereits am Eingang der Metro durch, was zu einem erheblichen Stau führte. Man(n) wurde durch ein(1!) Spalier von Beamten „befördert“, die mit vielen Händen ziemlich zügig und gründlich alles abklopften, bevor man(n) sich am Ende dieses „menschlichen Tunnels“ in der Metrostation wieder fand. Doch im Großen und Ganzen war alles gut geplant und der weitere Weg zum Stadion verlief reibungslos. Doch leider hatte ich Henrik aus den Augen verloren, als er zurückging, um die Flagge der PACG abzuhängen. Und so war ich diesmal mit Marcel als meinem Lebensretter unterwegs.

Die angekündigten Kontrollen am Stadioneingang blieben aus; wir hätten ein Waffen-Arsenal mit rein nehmen können. Atlético Fans sind bekanntlich laut und so enterten wir alle singend das Stadion; eine Feststimmung lag in die Luft.

Europa League Finale, was für ein Ereignis!

Etwas verwundert sahen wir uns das kleine Konzert davor an. Mittlerweile war Henrik im Stadion angekommen und zu dritt genossen wir das wunderbare Spiel und die Stimmung. Unsere Plätze waren perfekt, etwas seitlich neben dem Tor und schätzungsweise 20m von der Torauslinie entfernt – mittendrin!
Über den Verlauf brauche ich nicht viele Worte zu verlieren: 2 Tore von Griezmann, ein Tor von Gabi… 0:3 und dann der Jubel als es mit dem Abpfiff amtlich wurde.

Campeones, campeones oeoeoeoeoeee!!!
Atlético gewann zum dritten Mal den Europa League Pokal und wir waren (sind) einfach nur glücklich! Genauso wie die gesamte Mannschaft, aber die Bilder habt ihr ja auch gesehen. Und es wurde nicht vergessen den Gegner gebührend mit Applaus zu verabschieden, unsere Spieler trugen dazu ihren Teil auf dem Spielfeld bei – so soll es sein! Die Frauen und Kinder der Spieler strömten ebenfalls auf den Platz und man alberte herum, fotografierte und genoss einfach diese Augenblicke.

Kurz nach Verlassen des Stadions machten wir uns dann auf den Rückweg. Müde, sehr müde, aber sooooo zufrieden! Gegen Mittag kamen wir auf dem Bahnhofsvorplatz in Hennef an, noch ein wenig müder. Den Abschied versüßten wir uns mit einem Fläschchen Cidre, das wir beim Ausräumen in den Tiefen des Kofferraums gefunden hatten. Und wie wir da so bei schönstem Wetter rund um den Kofferraum zusammen stehen und das Erlebte Revue passieren lassen sind wir uns einig: diese Tour wird bestimmt nicht die letzte gewesen sein, ganz sicher!

Von | 2018-05-27T18:33:47+00:00 26. Mai 2018|PACG|